Eine Bewegung, drei Arbeitsabschnitte

Ergebnis: Das grenzüberschreitende Projekt FLU-LED

Das Dokumentieren von Flur- und Hausnamen im zweisprachigen Gebiet Kärntens ist bereits seit Jahrzehnten im Gange. Zahlreiche Forscher haben im 20. Jahrhundert Flur- und Hausnamen niedergeschrieben, sie veröffentlicht und Abhandlungen darüber verfasst. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts bildete sich im Sattnitzgebiet und in Zell/Sele eine neue Form der Erfassung von Namen für Wand- und Freizeitkarten.

Beide Karten, die von der Sattnitz und jene aus Zell/Sele, waren 2010 die Grundlage für die Aufnahme der slowenischen Flur- und Hausnamen in das Unesco-Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich. Gleichzeitig wurden sie zum Vorbild für die Erstellung der folgenden Karten, die in zweisprachigen Kärntner Gemeinden von örtlichen slowenischen Kulturvereinen herausgegeben werden.

In Oberkrain/Gorenjska bildeten sich die ersten Initiativen zum Sammeln von Hausnamen ca. 2005 in Dovje und Mojstrana. Die Projekte, die sich mit dem Erforschen und Erfassen von Hausnamen befassen, haben sich unter Leitung der Razvojna agencija Zornje Gorenjske (Entwicklungsagentur des oberen Oberkrain) auf das Gebiet von 14 Gemeinden in Oberkrain/Gorenjska ausgeweitet.

Im grenzübergreifenden EU-Projekt FLU-LED (2011–2015) haben die Projektpartner aus Kärnten und Oberkrain/Gorenjska alle bisherigen Erfahrungen mit dem Sammeln von Haus- und Flurnamen zu einem gemeinsamen Projekt vereint. Sie haben ein grenzübergreifendes Kulturportal der Haus- und Flurnamen erstellt und eine einheitliche Methodologie des Dokumentierens und Erfassens von Flur- und Hausnamen entwickelt.

In Kärnten und Oberkrain/Gorenjska hat sich im gemeinsamen Projekt FLU-LED nachhaltiges Interesse für das Erhalten der einheimischen Flur- und Hausnamen entwickelt, was in diesem Raum der Ausdruck eines starken und tiefen gemeinsamen Wunsches nach Anerkennung und Wertschätzung des Kulturerbes ist.

Die »Bewegung« fürs Sammeln und Erhalten slowenischer Flur- und Hausnamen kann in drei Abschnitte eingeteilt werden:

 

1. Anfänge des Sammelns

… in Südkärnten

Das Dokumentieren von Flur- und Hausnamen im zweisprachigen Gebiet Südkärntens ist bereits seit mehreren Jahrzehnten im Gange. Die Namen wurden von zahlreichen Forschern erfasst und veröffentlicht, unter ihnen waren Julij Felaher, Josip Šašel, Angela Piskernik, Eberhard Kranzmayer, Hubert Fabian Kulterer, Otto Kronsteiner, Anton Feinig, P. Bertrand Kotnik, Pavel Zdovc, Ludvik Karničar, Stanko Klinar, Heinz-Dieter Pohl, Iris Karner, Hubert Bergmann, Regina Maria Unterguggenberger ua.

Der Sammler Jozi Pack aus Trabesing/Trabesinje bei Köttmannsdorf/Kotmara vas hat seit Anfang der 1990er Jahre die Namen im Rosental dokumentiert und sie auf Wandkarten festgehalten. Mit der Niederschrift der Haus- und Flurnamen auf Landkarten hat er der Sammeltätigkeit eine neue Qualität gegeben; die Namen sind auf den Karten auch verortet, was wesentlich ist für ihre gesamthafte Erhaltung.

Auf der Grundlage der Arbeit von Jozi Pack hat der Slowenische Kulturverein Gorjanci 2008 eine Karte der Gemeinde Köttmannsdorf/Kotmara vas erarbeitet. Im selben Jahr hat die Interessensgemeinschaft der Zeller Bauern im Rahmen eines EU-Projekts eine Karte mit Haus- und Flurnamen in der Gemeinde Zell veröffentlicht. Beide Karten waren die Grundlage für die Aufnahme der slowenischen Flur- und Hausnamen in das Unesco-Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich.

Der Eintrag der slowenischen Flur- und Hausnamen in Kärnten in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes hat 2011 das Entstehen neuer Karten angeregt. Der Kulturverein St. Margareten-Abtei/Šmarjeta–Apače hat eine Karte mit Flur- und Hausnamen in St. Margareten im Rosental/Šmarjeta v Rožu herausgebracht. 2012 erschien eine Karte mit mundartlichen Flur- und Hausnamen in der Gemeinde Schiefling/Škofiče, deren Initiator der Slowenische Kulturverein Edinost war.

… und in Oberkrain/Gorenjska

In Oberkrain/Gorenjska gab es erste Initiativen für das Sammeln von Hausnamen in Dovje und Mojstrana, wo der dortige Fremdenverkehrsverein die Bauernhöfe mit ihren Hausnamen gekennzeichnet hat. Die Idee fasste auch im Bereich der Gemeinde Jesenice Fuß, wo Klemen Klinar mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde die Hausnamen erfasste und die Häuser mit Tafeln versah.

Nach der Anstellung von Klemen Klinar bei der Razvojna agencija Zornje Gorenjske (Entwicklungsagentur des oberen Oberkrain) entwickelte sich die Idee zu einem Projekt von fünf Gemeinden im oberen Oberkrain (Gemeinden Bled, Gorje, Kranjska Gora, Radovljica und Žirovnica), die 2006 beim EU-Programm LEADER erfolgreich das erste gemeinsame Projekt zur Erforschung und Erfassung der Hausnamen eingereicht haben. Später schlossen sich der Initiative weitere Oberkrainer Gemeinden an, die im Rahmen desselben EU-Programms zwei weitere Projekte einreichten, im Rahmen derer die Hausnamen im Gebiet von 14 Oberkrainer Gemeinden gesammelt wurden (Bled, Bohinj, Cerklje na Gorenjskem, Gorje, Jesenice, Jezersko, Kranj, Kranjska Gora, Naklo, Preddvor, Radovljica, Šenčur, Tržič und Žirovnica). Im Rahmen dieser mehrjährigen Initiative wurde die gemeinsame Webseite Hišna imena na Gorenjskem (Hausnamen in Oberkrain/Gorenjsko) eingerichtet (www.hisnaimena.si), laufend erschienen dazu Broschüren mit Hausnamen (www.hisnaimena.si/knjizice/).

2. Das Projekt FLU-LED: Einheitliche Datenbank und Kulturportal

Im Herbst 2011 haben der Slowenische Kulturverband in Klagenfurt/Celovec als Lead-Partner und die Projektpartner Christlicher Kulturverband, Razvojna agencija za Zgornjo Gorenjsko (Entwicklungsagentur des oberen Oberkrain) und Gornjesavski muzej Jesenice (Museum des oberen Savegebietes Jesenice) im Rahmen des grenzübergreifenden Projekts FLU-LED begonnen, systematisch Flur- Und Hausnamen zu sammeln und zu dokumentieren. Das Hauptziel des Projekts war es, das reiche Sprach- und Kulturerbe des Grenzraumes Südkärnten–Oberkrain/Gorenjska zu schützen. Die Projektpartner, Kulturvereine und Interessengemeinschaften sowie zahlreiche Sammler haben alte Mundartnamen gesammelt und niedergeschrieben und sie so vor dem Vergessen bewahrt.

Im Rahmen des Projekts FLU-LED ist in Zusammenarbeit von Sprachwissenschaftern und Dialektologen des Inštitut za slovenski jezik Frana Ramovša ZRC SAZU (Fran-Ramovš-Institut für slowenische Sprache am Wissenschatlichen Forschungszentrum der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und der Künste) und des Slowenischen Volkskundeinstituts Urban Jarnik auch die Schrift Metode za zbiranje hišnih in ledinskih imen (Methoden für das Sammeln von Haus- und Flurnamen) entstanden, die ein wertvolles Hilfsmittel für das planvolle Sammeln und Niederschreiben von Haus- und Flurnamen auch in anderen Orten in Kärnten und Slowenien ist.

2015 wurden als Ergebnis des Projekts in Kärnten vier Landkarten gedruckt, und zwar in der Gemeinde Finkenstein/Bekštanj mit standardisierten slowenischen Haus- und Flurnamen, in der Gemeinde St. Jakob im Rosental/Šentjakob v Rožu mit mundartlichen Flurnamen, in der Gemeinde Feistritz im Rosental/Bistrica v Rožu mit Haus- und Flurnamen in Dialektform und in der Gemeinde St. Margareten im Rosental/Šmarjeta v Rožu ebenso mit Haus- und Flurnamen in Dialektform. In Oberkrain/Gorenjska sind Karten der Gemeinden Tržič, Jesenice und Kranjska Gora mit mundartlichen Flurnamen herausgekommen.

Alle gesammelten Namen mit Zusatzinformationen und verfügbaren audiovisuellen Daten sind der breiten Öffentlichkeit in einer gemeinsamen Datenbank auf dem Webportal FLU-LED zugänglich. Ein wesentliches Prinzip des Portals ist die Interaktivität, was bedeutet, dass die Nutzer intuitiv navigieren und in der Online-Karte suchen können, außerdem können sie für private, kulturelle, touristische und wissenschaftliche Zwecke Daten auch herunterladen. Mithilfe eines einfachen Formulars können neue Namen als Ergänzung an die Projektmitarbeiter übermittelt werden.

Ein wichtiges Anliegen des Projekts ist es, dass die Namen einem möglichst großen Kreis an Nutzern zur Verfügung stehen – Einheimischen für ihren privaten Gebrauch, Kulturvereinen für ihre Kultur- und Bildungsarbeit, Gemeinden zu Promotionszwecken, der fachlichen Öffentlichkeit für weitere interdisziplinäre Forschungen am gesammelten Namensgut usf.

3. Eine wachsende Karte von Kärnten und Oberkrain/Gorenjska

2017 ist die Karte der Haus- und Flurnamen der ehemaligen Gemeinde Radsberg/Radiše erschienen (Teil der heutigen Gemeinde Ebenthal/Žrelec), heraugegeben wurde sie von Tomaž Ogris. Der Karte ist eine Broschüre mit Erklärungen zu Ursprung und Bedeutung von Flur- und Haus- sowie Dorfnamen in slowenischer und deutscher Sprache beigegeben, was eine Ergänzung des bisherigen Dokumentierens der Namen darstellt. In Vorbereitung sind Karten für die Gemeinden Keutschach/Hodiše, Feistritz im Gailtal/Bistrica na Zilji sowie Hohenthurn/Straja vas im unteren Gailtal, Ludmansdorf/Bilčovs, Zell/Sele, Ferlach/Borovlje, Sittersdorf/Žitara vas und Bleiburg/Pliberk.

2015 hat im Hügelland von Škofja Loka die Razvojna agencija Zgornje Gorenjske (Entwicklungsagentur des oberen Oberkrain) in Zusammenarbeit mit der dortigen Razvojna agencija Sora (Entwicklungsagentur Sora) damit begonnen, die Hausnamen in den Gemeinden Gorenja vas–Poljane, Škofja Loka und Železniki zu erforschen. Jährlich wird in jeder Gemeinde eine ausgewählte Gruppe von Siedlungen bearbeitet; die Arbeit ist noch im Gange. Auf Initiative der Gemeinde Bohinj hat 2016 die Flurnamenerforschung in Bohinj begonnen. Das mundartlich und namenskundlich reiche Gebiet Bohinj ist im Augenblick in drei Gebieten erforscht, die jeweils in einer eigenen Karte präsentiert werden. 2018 hat die Razvojna agencija Zgornje Gorenjske (Entwicklungsagentur des oberen Oberkrain) das Sammeln von Hausnamen im Bereich der Gemeinden Komenda, Medvode, Trzin und Mengeš fortgesetzt. Die Untersuchung wird vom Europäischen Landwirtschaftsfond für die Entwicklung des ländlichen Raums finanziert; das Projekt ist ebenfalls noch im Gange.

Alle Projektpartner sind bestrebt, die Flur- und Hausnamen als lebendiges Kulturerbe zu erhalten.